Ein Mondstein hat keine Farbe, die man beschreiben könnte. Er hat ein Licht, das unter der Oberfläche liegt und sich bewegt, wenn du dich bewegst. Die Römer hielten ihn für erstarrtes Mondlicht. Die Erklärung ist weniger poetisch und mindestens so schön.
Mondstein ist die Edelsteinvarietät des Minerals Orthoklas, eines Kalium Aluminium Silikats aus der Familie der Feldspäte, auch Adular genannt. Beim Abkühlen im Gestein entmischen sich Orthoklas und Albit in hauchdünne Wechsellagen. Genau diese Schichten sind der Grund für alles, was den Stein ausmacht.
Die Mondstein Kette in unserer Signature Kollektion trägt einen rohen Stein aus den Lagerstätten bei Meetiyagoda in Sri Lanka, circa 12 bis 14 mm groß, damit der größte in der Kollektion. Er bleibt ungeschliffen, wird oben mit Draht umwickelt und hängt an einer feinen Kette aus Sterlingsilber 925 oder 14K Goldgefüllt.
Woraus ein Mondstein besteht
Orthoklas ist ein Feldspat, und Feldspäte sind die häufigste Mineralgruppe der Erdkruste. Mondstein ist die seltene Varietät, in der die Schichten so fein sind, dass sie Licht streuen. Mit 6 bis 6,5 auf der Mohsskala ist er weicher als Quarz.
„Man schleift einen Mondstein nicht, um ihn schöner zu machen. Man lässt ihn, damit das Licht Platz hat.“
I. Mondstein: aus der Feldspatfamilie.
Feldspäte bilden den größten Teil der Erdkruste, und die meisten davon sind unscheinbar grau oder rosa. Was einen Mondstein von gewöhnlichem Orthoklas unterscheidet, ist das, was beim Abkühlen passiert: Kalium und Natrium vertragen sich im Kristallgitter nur bei hoher Temperatur. Kühlt das Gestein langsam ab, trennen sie sich in Lagen aus Orthoklas und Albit, so dünn, dass man sie unter dem Mikroskop zählen muss.
Der Mondstein hat einen nahen Verwandten in unserer Kollektion: den Labradorit, ebenfalls ein Feldspat mit Entmischungslamellen. Beim Labradorit sind die Lagen dicker und schillern in Blau, Grün und Gold, beim Mondstein sind sie so fein, dass nur ein weißblauer Schein bleibt. Gleiche Familie, zwei Handschriften des Lichts.
II. Adulareszenz: das Licht zwischen den Schichten.
Fällt Licht in den Stein, trifft es auf Tausende Grenzflächen zwischen Orthoklas und Albit. An jeder wird ein kleiner Teil gestreut. Die Streuung hängt von der Dicke der Lagen ab: Sind sie sehr fein, wird vor allem der blaue Anteil des Lichts zurückgeworfen, sind sie dicker, erscheint der Schein weiß. Deshalb gilt ein bläulicher Mondstein als der begehrtere.
Der Schein liegt nicht auf der Oberfläche, sondern darunter, und er wandert, wenn sich der Winkel ändert. Fachleute nennen das Adulareszenz, nach dem Adular. Dieser zweite Name des Minerals geht auf das Adula-Massiv in den Schweizer Alpen zurück. Unser Mondstein aus Sri Lanka zeigt eine milchig weiße Grundmasse mit kühlem Blauschimmer, der mit dem Licht über den rohen Stein gleitet.
Der Mondstein färbt nichts. Er sortiert das Licht, das ihn trifft.
Wie der Schein entsteht
Die Wechsellagen wirken wie ein Stapel halbdurchlässiger Spiegel. Was an ihnen gestreut wird, tritt leicht versetzt wieder aus und ergibt den schwebenden Schein. Dreht man den Stein, verschiebt sich der Winkel, und der Schein wandert mit.
III. Roh gefasst: warum wir den Mondstein nicht schleifen.
Lumière Faktor · Roher Mondstein
23 / 25
Transparenz
Klar durchscheinend, milchig weiße Grundmasse
20 / 25
Farbtiefe
Weißer Grundton mit kühlem Blauschimmer
22 / 25
Oberflächenintegrität
Intakte Naturform, gewachsene Bruchflächen
24 / 25
Lebendigkeit
Kräftige Adulareszenz, die mit dem Licht wandert
Gesamt 89 von 100: Sehr gut. Die Skala reicht von Basic (bis 60) über Gut (61 bis 75) und Sehr gut (76 bis 89) bis Exzeptionell (90 bis 100).
Ein geschliffener Mondstein zeigt den Schein nur in einer Richtung, dort, wo der Schleifer die Lagen parallel zur Oberfläche gelegt hat. Ein roher Stein hat gewachsene Bruchflächen in verschiedenen Winkeln. Bewegst du dich, findet das Licht immer eine Fläche, an der es schwebt. Deshalb bleibt unser Mondstein roh.
Der Draht wird oben um den Stein gewickelt, von Hand, so dass die Fassung der gewachsenen Form folgt. Kein Stein gleicht dem anderen, also gleicht keine Fassung der anderen. Der Mondstein ist unbehandelt: keine Erhitzung, keine Bestrahlung, keine Färbung. So, wie er aus der Erde kommt.
Für den Lumière Faktor prüfen wir jeden Stein in vier Kriterien: Transparenz, Farbtiefe, Oberflächenintegrität und Lebendigkeit, jeweils bis 25 Punkte. Unser Mondstein liegt bei 89 von 100, „Sehr gut“, mit der höchsten Wertung bei der Lebendigkeit: Der Schein wandert bei jeder Bewegung.
IV. Mondstein, Labradorit, Perle: drei Arten zu leuchten.
Härte und Größe im Vergleich
Drei Lichteffekte
Mondstein
Adulareszenz
Streuung an feinsten Lagen, weißblauer Schein unter der Oberfläche
Labradorit
Labradoreszenz
Interferenz an dickeren Lagen, Farbspiel in Blau, Grün und Gold
Perle
Lüster
Reflexe an Tausenden Perlmuttschichten, weicher Glanz
Warum es im Atelier nicht egal ist
Vier Dinge, die wir beim Mondstein versprechen.
01
Echt und unbehandelt.
Keine Erhitzung, keine Bestrahlung, keine Färbung. Der Stein zeigt den Schein, den er in Sri Lanka bekommen hat.
02
Roh, damit das Licht Platz hat.
Gewachsene Bruchflächen in vielen Winkeln. Der Schein wandert, statt in einer Richtung zu stehen.
03
Von Hand gefasst.
Der Draht folgt der Form des Steins. Keine Fassung gleicht der anderen, weil kein Stein dem anderen gleicht.
04
Wasserfest, aber stoßempfindlich.
Die Kette hält Wasser aus. Der Stein ist vollkommen spaltbar und mag keine harten Stöße, keine Hitze, kein Ultraschallbad.
Wenn du deine Mondstein Kette das nächste Mal ins Licht hältst, dreh sie langsam. Der Schein, der dabei über den Stein wandert, ist kein Trick der Oberfläche. Es sind Millionen Grenzflächen, die vor langer Zeit in Sri Lanka entstanden sind und seitdem auf Licht warten. Wie der Stein gepflegt wird, steht im Beitrag Schmuck im Sommer.
Kein Stein leuchtet. Er lässt das Licht nur anders gehen.
— Carola
Der rohe Mondstein ist der Geburtsstein des Monats Juni, in Sterlingsilber 925 oder 14K Goldgefüllt.
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